Flammender Celloton mit sehr viel Herz

Mit Antonin Dvořák (1841 bis 1904) Konzert für Violoncello und Orchester in h-Moll op. 104 in drei Sätzen führte das Orchester diesen exzellenten Eindruck weiter. Kraftvoll, vital, differenziert und nicht zuletzt ausdrucksstark erklang das; Dirigent und Orchester waren ganz und gar eins mit dem Werk. Noch besser wurde es in der Kooperation mit dem Solisten Ithay Khen, der sich als besonders gut disponiert erwies. Mit wunderbar warmem, kantablem Ton, leichter, doch emotional stets verbindlicher Spielweise überzeugte er sofort. Besonders im zweiten Satz Adagio ma non troppo zeigte sich eine ausnehmend gute Geschlossenheit zwischen Solist und Orchester, ein zuweilen geradezu tänzerisches harmonisches Miteinander. Zugleich war eine hohe Stimmigkeit zu vermerken…Im dritten Satz erklang dann ein geradezu flammender Cellovortrag, der mit vollem Herzen ausgeführt und von den präzisen Streichern jubilierend ergänzt wurde: Der Schwung war enorm, die Transparenz fabelhaft. Ottersbach, der mit seinem Ensemble eins war, ließ das Orchester unter seinem umsichtigen, ermutigenden und zuweilen anspornenden Dirigat zu Bestform auflaufen und band den Solisten vorbildlich ein. Ein strahlendes, glasklar musiziertes Finale - auch dies ein voller Erfolg. Besonders langer Beifall des begeisterten Publikums; Khen musste direkt eine Zugabe spielen.

Gießener Anzeige, 30.06.2015, H. Schultz

 

 

Fast grenzenlose Dimensionen

…in eine spätromantische Sphäre führte danach Dvořáks Cellokonzert…Im weiteren Verlauf ergab sich ein fein aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel mit dem Solisten Ithay Khen, der eine ausgeprägte lyrische Ader demonstrierte.   Besinnlich- ruhige Phasen gelangen ebenso gut wie dramatische Passagen… Mit untrüglichem Empfinden unterstrichen Solist und Orchester die beinahe grenzenlosen Dimensionen.  Beide horchten wieder genau aufeinander und sorgten für einen runden Gesamteindruck. Ganz pastoral ließen sie die Musik ausklingen. Das kontrastreiche Finale bewegte sich zwischen leidenschaftlichen Soli und packenden Tutti und vervollständigte das positive Bild. Auch hier gefiel besonders, mit welch langem Atem der weitläufige Schlussteil dargeboten wurde. Für den nicht enden wollenden Beifall dankte Khen mit einer Bach´schen Zugabe.

Gießener Allgemeine, 30.06.2015, S. Jouini

 

 

Virtuos, raffiniert und mit einem verschmitzten Lächeln

Im vergangenen Jahr hatte Ithay Khen hier mit zwei weiteren Musikern die Goldberg Variationen von Bach gespielt und dafür viel Applaus geerntet. Auch dieses Mal eröffnete er mit Bach und zwar mit einer der sechs Suiten, die der Komponist für ein solistisches Streichinstrument schrieb. Ein Stück, dass an den Musiker hohe Anforderungen stellt, die Khen scheinbar mit Leichtigkeit meisterte. Ohne Notenblatt nahm er vorm Altar Platz und begann sein virtuoses Spiel mit einem Prelude in hohem Tempo. Es folgten sechs zum Teil sehr heitere Tanzsätze, die Khen mit Leidenschaft seinem Instrument entlockte. Dabei hatte er die Augen meist geschlossen und gab sich der Musik hin. Viele Zuhörer taten es ihm gleich und lauschten einfach nur den Tönen. Für das Programm in der Dorfkirche hatte Ithay Khen aber nicht nur Werke bekannter deutscher Komponisten vorbereitet. Mit dem Monologues No. 1 für Violoncello des israelischen Komponisten Gad Avrahami spielte er ein Stück, das wohl noch niemand im Publikum zuvor gehört hatte. „Gestern habe ich in Berlin die deutsche Uraufführung dieses Stückes gespielt“, verriet Khen, der den Komponisten persönlich kennt. Es sei faszinierend wie Avrahami in seinem Werk moderne, ethnische und klassische Elemente miteinander vereint, so der Cellist. Was folgte war ein geradezu aufregendes Stück Musik mit unterschiedlichsten Tempi und schnellen Wechseln. Mal zupfte Khen die Seiten seines Cellos, mal ließ er den Bogen sanft darüber gleiten, brachte zarte, leise Töne hervor, um in nächsten Moment mit kräftigen Passagen den Kirchenraum zu füllen. Ein ungewöhnliches Klangerlebnis, dass die Vielfältigkeit des Instruments unter Beweis stellte. Wer sich darauf einließ und sich der Musik hingab, wurde mit einem besonderen, fast exotischen Musikerlebnis belohnt. Als einen der feinsten Komponisten beschrieb Ithay Khen den Spanier Gaspar Cassadó. Dessen dreisätzige Suite für Violoncello nahm der Musiker in sein Programm auf, wohl nicht zuletzt wegen der spanischen Elemente. Zum finalen Satz „Intermezzo e Danza“ ließ Khen sein Cello aufdem rotenTeppich nahezu tanzen. Er wog den Korpus leicht, während seine Finger flink den Hals rauf und runter kletterten. Schließlich warf er zum Höhepunkt eines grandiosen Finales das Instrument lässig zur Seite und beendete das Werk mit einer Verbeugung und einem verschmitzten Lächeln.

Märkische Allgemeine Zeitung, 23.06.2013, C. Schmidt

 

 

"Sehr glücklich, dass ich diesen Weg gegangen bin"

Der Cellist Ithay Khen im Porträt in Deutschlandradio

Ithay Khen gilt als einer der besten Cellisten und war seiner Zeit schon immer ein wenig voraus. Bereits Anfang der Neunzigerjahre ist er zum Studieren nach Berlin gezogen, als einer der ersten israelischen Musiker. Während die Stadt inzwischen für klassische Musiker aus Israel regelrecht kolonialisiert wird, ist Ithay Khen schon wieder weitergezogen.

Der Mann, der hier einen feurigen Csárdás spielt, das ist der Cellist Ithay Khen. Selbst berühmte Kollegen beschreiben sein Spiel als "wunderschön, sensibel und vollkommen”. Ithay Khen kommt aus Israel, lebt aber schon seit Anfang der Neunzigerjahre in Berlin.

Damals war er noch einer der ersten israelischen Musiker, die sich in der deutschen Hauptstadt niedergelassen haben. Während heutzutage ein Wohnsitz in Berlin unter klassischen Musikern ja fast schon zum guten Ton zählt, so ist Ithay Khen schon wieder weitergezogen: nach Braunschweig, der Liebe wegen.

Doch einen Koffer, den hat Ithay Khen noch immer in Berlin. Die Stadt hat eine bedeutende Rolle in seiner Karriere gespielt. Schon als 16-Jähriger war er in die Celloklasse der renommierten Rubin Academy in Tel Aviv aufgenommen worden - und das, obwohl er zu diesem Zeitpunkt Israels schnellster Schwimmer in seiner Altersgruppe war. Doch dann lockte Berlin in Form der Akademie der Künste und später der Hochschule für Musik Hanns Eisler.

Noch als Student wurde er Stipendiat der Herbert von Karajan-Orchesterakademie des Berliner Philharmonischen Orchesters. Später hat er mit den Philharmonikern zahlreiche Konzerte und Tourneen absolviert oder hat - mit einzelnen Mitgliedern des Orchesters - Kammermusik gespielt. Eine Zeit, die Ithay Khen tief geprägt hat.

 

"Sehr oft werde ich gefragt, warum ich nicht im Orchester spiele. Ich war viele Jahre im Orchester, schon in Israel, es war lang genug um festzustellen, dass ich mich im Orchester nicht wohlfühle. Irgendwann habe ich die Entscheidung getroffen, ich will das so nicht mehr machen, ich schaffe das alleine nicht weniger gut als mit Orchester. Ich kann mein Programm, wie mit Adi Bar zusammen, alleine gestalten und entscheiden, was ich spiele und wie ich spiele.

Ich mag mich nicht immer unterordnen. Ich kann nicht sagen, was ist besser, was ist schlechter, das ist immer sehr individuell. Jeder muss das für sich wissen, ich bin aber mit diesem Weg sehr zufrieden und sehr glücklich, dass ich diesen Weg gegangen bin."

Als freischaffender Musiker hat Ithay Khen die freie Wahl, sich sein Repertoire auszusuchen. Darunter ist auch viel Jüdisches wie etwa die "Sepharadische Melodie” vom israelischen Komponisten Paul Ben Haim oder Werke von Michael Wolpe, Max Bruch oder Joseph Achron.

Diese Komponisten spielt Ithay Khen mit seinem Trio Stern, das aus dem israelischen Pianisten Adi Bar und der Geigerin Maria Azova besteht. Das Programm des Trios, das nennt sich treffenderweise "Reise von Berlin nach Jerusalem".

"Ich spiele mit verschiedenen Besetzungen, nicht nur mit Adi, aber das ist eine sehr interessante Besetzung, weil wir uns auf die jüdische Musik, die hier geschrieben war, konzentrieren Komponisten, die hier geboren waren und die nach Israel emigrierten.

Ich habe schon eine gewisse Sentimentalität in meinem Charakter, aber so sentimental bin ich nicht, dass ich sage, ich widme mein Leben für die israelischen Komponisten.

Aber da ich von dieser Musik auch komme, mit israelischen Musik, mit der ich auch aufgewachsen bin. Mein Professor in Tel Aviv war Uzi Wiesel und der war ein sehr guter Freund von Paul Ben Haim...also war es nur natürlich, dass ich immer wieder zu dieser Musik zurückkehre - und das auch sehr stark in mein Repertoire integriere."

Doch Ithay Khens erster Cellolehrer, das waren nicht etwa Uzi Wiesel oder Paul Ben Haim, sondern das war sein Vater Uri Khen. Ein fleißiger Mann, wenn es darum geht, Kinder für das Cello zu begeistern oder das Jugendorchester eines Kibbuz zu leiten. Noch heute, mit 76 Jahren, geht er dieser Profession nach. Kein Wunder also, dass Ithay Khens großes Vorbild nicht etwa Pablo Casals oder der berühmte Rostropowitsch ist. Sein großes Vorbild, das ist sein Vater.

DeutschlandRadio Kultur, 16.11.2012, J. Scheiner

 

 

Flute und Cello in Dialogue

The program opens with an arrangement of Mozart’s Duet K 423 for violin and viola, which I did not even know existed. The notes mention praise for the work by Albert Einstein, which probably should be changed to Alfred. There are solo pieces by Takemitsu and Ferroud for flute and the engaging Cassado Suite for solo cello. Villa-Lobos is represented by his work for flute and bassoon, Bachianas Brasileiras 6, and an original work for flute and cello, the Jet Whistle. Both pieces are difficult for the flutist.

These are two very assured performers who play well together and imaginatively on their own. Khen uses a fairly intense and fast vibrato sometimes in the Cassado Suite, and he meets its challenges well. There are a number of classical period works for flute and cello, including six sonatas by Francois Devienne, that I hope they might record next.

American Record Guide, 17.08.2012, T. Gorman

 

 

„Einfach genial“

So etwas hat es in der 17-jährigen Geschichte der Strodehner Sommerkonzerte noch nicht gegeben: Die Gäste, die am Sonntagnachmittag in die Kirche des Haveldorfes gekommen waren, bekamen nur ein einziges Stück zu hören. Enttäuscht verließ dennoch niemand das Konzert, im Gegenteil das Publikum war regelrecht begeistert…Dragan Radosavieviech aus Serbien (Geige), Chang Yun Yoo aus Südkorea (Bratsche) und Ithay Khen aus Israel (Cello) hatten für die Strodehner Konzertreihe eine besondere Variante ausgewählt – sie bedienten sich des Arrangements des russischen Geigers Dimitry Sitkovetsky. Inspiriert von Goulds letzter Aufnahme der Goldberg-Variationen hatte Sitkovetsky Bachs Werk in den 80er Jahren für ein Streichertrio arrangiert, mit dem das Trio nun dem havelländischen Publikum einen besonderen Hörgenuss bescherte… Obwohl die drei Musiker in dieser Besetzung zum ersten Mal auftraten, verschmolzen sie bereits nach wenigen Augenblicken in ihrem Spiel auf wunderbare Weise miteinander und schenkten dem Publikum damit nicht nur einen Genuss für die Ohren, sondern auch für die Augen… Die Begeisterung der Streicher floss unverkennbar in ihr Spiel mit ein, und so wie das Stück von melancholisch zu heiter, von beschwingt zu nachdenklich wechselte, so änderten sich auch die Gesichter und die Körpersprache der Musiker…

Märkische Allgemeine Zeitung, 03.07.2012, C. Schmidt

 

 

Die jüdische Seele zum Klingen bringen

…das Programm des renommierten israelischen Duos, das die Herzen des Publikums im Sturm eroberte…der Cellist Ithay Khen trifft bei seinem Spiel so gleich den Zauberton; der Funke springt über; nach Sekunden andächtiger Stille spendet das Auditorium ergriffen Applaus. Zupackend, technisch brillant, hochemotional, meditativ-abgeklärt – so ließe sich, zumindest annähernd, das Wesen von Ithay Khens fulminantem Spiel in Worte fassen. Am schönsten wird es dann, wenn das Cello zu singen beginnt – so vor allem in einem Stück aus Ernst Blochs „Baal Schem“ Suite von 1923. Hier werden die Grenzen des Instruments ausgelotet …eine Meisterleistung Blochs und seines kongenialen Interpreten Ithay Khen. Begeisterter Applaus und Bravos belohnen diesen Auftritt…

Wetterauer Zeitung, G. K. , 19.04.2012